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Advents-Meditationen: Die Höhle und das Licht

    Wenn wir die Weihnachtsikone betrachten, fällt zuerst der Kontrast ins Auge: das tiefe Schwarz der Höhle und das strahlende Gold des Hintergrunds. Die Weihnachtsikone öffnet uns ein paradoxes Bild: eine dunkle Höhle, tief und schwarz, und darin das reine Gold Gottes und ein Lichtstrahl der die Dunkelheit bricht. Die Höhle ist kein romantischer Stall. Sie ist der Ort der Finsternis, der Ort des Todes, der Ort all jener Räume, in denen wir uns verloren fühlen. Der Ort, an dem wir nicht wissen, wie es weitergeht. Dort hinein legt der Vater seinen Sohn – wie in einen Schoss. Es ist die radikalste Solidarität Gottes mit unserer Nacht.

    Und genau dort hinein wird Gott geboren.
    Nicht an den Rand der Nacht – mitten in sie hinein.

    Die Ikone sagt uns: Gott scheut keinen Abgrund. Er kommt dorthin, wo wir uns selbst nicht mehr hin trauen. Die Höhle der Ikone ist der Innenraum unseres Herzens, an jenem Punkt, an dem wir ahnen, dass wir Erlösung brauchen.

    Doch über dieser Höhle leuchtet das Gold, das Licht, die Liebe Gottes. Es ist kein irdischer Glanz, keine Farbe von dieser Welt. Es ist das Licht der göttlichen Gegenwart, die nicht vergeht. Es lässt die Höhle nicht verschwinden, aber es durchdringt sie. Es sagt: „Ich bin da. Inmitten deiner Finsternis.“

    Der Advent lädt uns ein, ehrlich in unsere eigenen Höhlen zu schauen – und gleichzeitig das göttliche Licht über ihnen wahrzunehmen.

    Text: Romina Monferrini

    Bild: https://www.arsmundi.de/bildikone-die-geburt-christi-gerahmt-700443/

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